Gut ist gut

und muss nicht perfekt werden.

Was hat sich alles angesammelt?

Impressionen, Themen, Arbeiten von gestern und vorgestern



Ein einziges Wort setzt die Fantasie
in Gang und schon werden Kopf und 
Bauch, Verstand und Gefühl von Assoziationen geflutet.


Fünf neue Impulsworte:

Spielraum
Eile
Missgeschick
Korridor
Achtlos




Durchsichtigkeit 

Kruste 

Turbulenzen 

Achtlos 

Absolvieren 














Alltagsgegenstände

 

Betrachte einen Besen, einen Löffel, eine Gabel, einen Bleistift. Lass die Erinnerungen kommen. 

Wer hat was davon benutzt, gebraucht, gesucht, gekauft? 

Schreibe einen Text mit hundert Wörtern. 

Schöner Schreibblock

Kleine Kritzeleien, absichtslos, fülle die Leerstellen mit Worten

Finde unter den Worten eines, das dich gerade anspringt. Schreib sieben Minuten.
 


Anregende Musik


Dreh die Musik laut, dreh sie leise, hör genau hin, kannst du einzelne Instrumente unterscheiden?

Lass die Musik auf die wirken, spür mal, wo genau sie dich trifft. 



Ein kurzer Blick aus dem Fenster

Was sehe ich in einer Minute, ohne, dass ich den Kopf drehe? Welche Formen haben oder bilden die Dächer, welche Farben haben die Bäume, wie sieht der Himmel aus?



Texte aus der Gruppe


Schreiben fühlen oder 

Futter für das rechte Hirn

Eigentlich sollen wir uns ja mit dem System 2 befassen, also mit dem langsamen, gründlichen Denken.

Aber: ich habe seit gestern schon solche Sehnsucht danach, einen Zugang zu meiner rechten Gehirnhälfte zu finden, zu dem, was unbekannt ist, was aus dem Dunkel, dem Trüben – oder – aus dem Novemberwald auftaucht. Zunächst überraschend, unkontrolliert, verschwommen, gewinnt es in der zögernden Sonne Gestalt, tröpfeln Gedanken dazu, formen sich Konturen.

Vorhin fuhr ich durch den Wald: Bäume, mit ihren restlichen, vergessenen Blättern, ganz ermattet schon, tauchten auf aus einem zarten Nebelgespinnst. Gerne hätte ich angehalten und gewartet: wer und was würde noch dazukommen?

Meine Mutter?

Sie ist im November geboren. Immer hasste ich diesen trüben Monat. Seine Kälte, Feuchtigkeit, sein Grauen, seine Unfreundlichkeit!

Meine Mutter hasste ich nur manchmal. 

Dann, wenn sie mich mit tagelangem Schweigen bestrafte, wenn sie mich in einen gefühlten, kalten, toten Wald, ohne jegliche Resonanz, stellte.

Ich brüllte und schuf meine eigenen Töne. Die weiß lackierte Türe bot meinen Füßen Widerstand, sie ließ sich nicht eintreten.

Heute erstmals spürte ich etwas Neues im Novemberwald: gab es dort Geheimnisse, Unergründliches, Verborgenes? Ist in diesem grauen Dunst etwas zu entdecken?

Meine Mutter taucht auf.

Sie hat die kleine Johanna an der Hand, die drückt sich eng an sie, will sich verstecken, will dem Gebrüll des Vaters entkommen. Und hält an ihrer anderen Hand die eigene Mutter, will sie von den Schlägen des Vaters wegziehen.

Noch nie hatte ich diese drei Menschen so nah vor mir: meine Mutter, ihr kleines Mädchen, ihre eigene Mutter – in Angst aneinander gekettet.

Ja, jetzt, in diesem Novemberwald, begreife ich ihre Not.

Meine Mutter hatte keine Worte, sie waren unauffindbar, existierten nicht, um ihren Ärger über mich, das ungehorsame, quirlige Mädchen zu erklären. Ihr blieb nur lebloses Schweigen.

Und wie sehr versuchte sie, dieses auszugleichen, wieder gut zu machen. Wenn ich fügsam geworden war, dann nannte sie mich das „liebe Engelein“!

                                                                                                                                     Friederike

Morgen

 

Morgen werde ich

Morgen kann ich

Morgen will ich

Hoffentlich

Endlich

Was

 

Was

Ist denn

Morgen und

Wieso sollte das

Anders als heute sein

 

Sein lassen alles mal

Einfach nicht tun

Und gucken

Wie es mir

Damit

Geht

 

Geht

Aber doch
Immer was weiter

Irgendwas immer es

Sei denn das Alles hört

Auf wird es natürlich mal

 

Mal sehn wie sich das anfühlt und

Ob ich was merke ob ich es

Kommen spüre wenn es

Dann mal so weit ist

Aber ich hab ja

Noch Zeit

Morgen

 

Morgen

Übermorgen

Und immer weiter

Bis zum ältesten Abend

Heidemarie  Köhler




Jetzt


Reinhauen. Raushausen, egal, die Worte rieseln durch die Zeit, kann sie nicht fassen, will sie begreifen, hauen ab. Ich kann nicht lesen, kann nicht schreiben, will nur da sein, jetzt, hier, nirgendwo, abhauen, Funken stieben aus der Tastatur.  Aus den Fingerspitzen. Leben, so genanntes, das ist spannend, Spannung, kann sie halten, und dann rast der Schmerz. Gibt mir einen Fußtritt. Ich schlage zurück, entspanne, Zeit, halte mich nicht fest, dann lass ich auch los. Genau sooo. Wirbel reihen sich aneinander,  passt alles wieder zusammen, dazwischen die Schrauben, halten mich bei der Stange. Gerade stehen,  die Sprache ein Metaphernhaufen. Hau raus. Komm rein. Ins Flussbett.

                                                                                                                                                Eleonore

 

System 

Zu den Gedanken von Daniel Kahnemann, Schnelles Denken, langsames Denken

  

MikadostäbchenOrdnung in der Schachtel, Spitze mit Abstand zur Spitzen, Bauch an Bauch, Spitze mit Abstand. Ein Händchen grabscht zu, wirf! Holterdipolter, raschelraschel, einmal geworfen, chaotische Verhältnisse. Wie lange hat der Mensch daran gearbeitet, dass die Stäbchen bequem in ihrem Bett liegen? Händchen drücken, schieben, mogeln sich vor, mogeln sich durch, Köpfchen will mogeln, schau weg, hast du nicht gesehen, es wackelt! Du hast angestoßen! Nein. Ich bin dran, nein, ich habe erst drei rote Stäbchen! Dann streng dich an! Holzstäbchen farbenmarkiert, spitz, rund, in der Schachtel, Stäbchen auf dem Tisch, verqueren die Ordnung, über- und unterlagern  sich malerisch, schieben einander beiseite, ganz schnell im Sturz,  lassen sich fallen, knallen aneinander. Sieh das Muster, das ihre Schatten werfen. Schaff es nicht, mach du weiter. Nein, das gildet nicht. Man kann nicht gewinnen, wenn einer aufgibt. Drücken, Spitzen erheben sich, loslassen, drücken, schieben, zusammenlegen, reinlegen, Deckel zu. Systemsprenger wollen noch eine Runde. Also Deckel wieder auf.

Eleonore

Bunte Geräusche 

Ganz leise das bunte Vogelgezwitscher, kann weder Rot noch Blau raushören. Eher ein dumpfes Grün zwischen Bläulich und Rötlich. Ohne jede Angst entfalten sich die Farben Vögeln gleich, die Flügel flattern, die Federn federn Luft ins Gefieder, geben Geräusche von Leben und Entwickeln, von tropfender Farbe, tropfender Zeit. Tropfen. Zeit. Zeit im Morgen, der Jetzt ist. Zeit im Morgen, das noch nicht ist. Kann noch werden, farbig, Kaleidoskop der Morgen, im Morgen, des Morgen.

 

 

 


morgens farbklänge 

im stillen kaleidoskop

bunte töne hör‘n

Eleonore




 


Menü zum eigenen Schreib-Experiment


Mit einem Konzept, einem Plan, einer Ideenliste, einem mindmap geht's los, wenn es ein längerer Text werden soll.

Hier einige Anregungen zu Denkanstößen. Macht euch Notizen, ergänzt die Notizen, notiert weiter, assoziiert, notiert noch mal, schaut, wo es Querverbindungen gibt... 


1. Wie könnte ein spannender Anfang sein?

2. Welche Charakteristika haben meine Hauptpersonen?

3. Worum geht's in meinem Text?

  • Handlung
  • Message
  • Plot

4. Wie soll das Ende gestaltet werden? 

  • offen
  • dramatisch
  • tragisch
  • glücklich



Die Anthologie zum 10jährigen Bestehen.

Man kann sie bei den jeweiligen Autor/innen erhalten.